Es ist ein Paukenschlag, der die Tech-Welt aufhorchen lässt. Microsoft hat rund 60.000 seiner Mitarbeiter vor die Wahl gestellt: Sie können das Unternehmen freiwillig verlassen und erhalten dafür eine Abfindung. Das Angebot richtet sich an Beschäftigte in den USA, Kanada, Indien und Großbritannien und betrifft somit mehr als ein Viertel der weltweiten Belegschaft des Software-Riesen.
Was steckt hinter dem Angebot?
Microsoft spricht offiziell von einem „freiwilligen Austrittsangebot“, das den Betroffenen mit finanzieller Unterstützung und Ressourcen zur Karriereplanung die Möglichkeit geben soll, neue Wege einzuschlagen. Der Hintergrund ist jedoch klar: Der Konzern steht unter enormem Kostendruck, da er Milliarden in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur investiert.
Allein in diesem Jahr sollen die Investitionen in Rechenzentren und Chips auf bis zu 145 Milliarden US-Dollar steigen, was einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gleichzeitig will Microsoft seine Fixkosten senken, um finanziellen Spielraum für diese gewaltigen Zukunftsinvestitionen zu schaffen.
Wer ist betroffen - und wer nicht?
Das Angebot richtet sich an Mitarbeitende aus nahezu allen Unternehmensbereichen, darunter auch Beschäftigte aus den Zukunftssektoren KI, Finanzen und Personalwesen. Auch Führungskräfte bis zur Vizepräsidentenebene sind eingeschlossen. Ausgenommen sind hingegen Bereiche wie Marketing und Sicherheit sowie Teile des Vertriebs und der Rechenzentren.
Wie üppig ist der „Goldene Handschlag“?
Die genauen Konditionen sind nicht einheitlich, sondern hängen von der Betriebszugehörigkeit, der Position sowie den jeweiligen Landesgesetzen ab. In den USA erhalten Betroffene mindestens acht Wochen Grundgehalt. Dazu kommen weiterlaufende Aktienvestings, Krankenversicherung und Karriere-Coaching.
Für einfache Positionen gibt es Berichten zufolge eine Woche Basisgehalt pro sechs Monaten Betriebszugehörigkeit, für höhere Positionen entsprechend mehr. In der Spitze, etwa auf Vizepräsidentenebene, kann die Abfindung bis zu zwölf Monatsgehälter betragen. Die Annahmefrist läuft bis Anfang Dezember. Wer das Angebot annimmt, verlässt das Unternehmen zum Jahresende.
Ein zweiter Anlauf
Es ist bereits das zweite freiwillige Abfindungsprogramm, das Microsoft in diesem Jahr auflegt. Im Frühjahr hatte der Konzern erstmals in seiner Geschichte ein solches Angebot an langjährige Mitarbeitende gerichtet - damals lag die Resonanz bei über 30 Prozent der Berechtigten.
Im Sommer folgten betriebsbedingte Kündigungen. Rund 4.800 Stellen fielen weg, vor allem im Xbox-Geschäft. Der neue Vorstoß ist nun deutlich größer angelegt und soll offenbar einen weiteren harten Einschnitt vermeiden - zumindest vorerst.
Was bedeutet das für die Belegschaft?
Für die betroffenen Mitarbeiter ist es eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Wenn sie gehen, erhalten sie eine finanzielle Brücke und Unterstützung beim Übergang. Bleiben sie, ist ihr Arbeitsplatz zwar nicht akut bedroht, doch eine Garantie gegen künftige Umstrukturierungen gibt es nicht.
Microsoft selbst rechnet nicht damit, dass annähernd so viele Beschäftigte das Angebot annehmen wie beim ersten Programm. Die Erfahrung mit ähnlichen Aktionen anderer Tech-Konzerne zeigt: Meist nehmen nur drei bis fünf Prozent der Berechtigten teil.
Eines ist klar: Auch bei Microsoft neigt sich die Ära der üppigen, unbefristeten Tech-Jobs dem Ende zu.

