OpenAI: ChatGPT-Texte erhalten künftig unsichtbare Wasserzeichen

OpenAI: ChatGPT-Texte erhalten künftig unsichtbare Wasserzeichen

Künftig will OpenAI KI-generierte Texte mit unsichtbaren Wasserzeichen versehen. Dadurch soll sich nachträglich erkennen lassen, ob ein Text mit ChatGPT oder dem Programmierassistenten Codex erstellt wurde. Die Einführung ist zunächst auf die Europäische Union beschränkt und soll schrittweise erfolgen. Hintergrund sind die Transparenzanforderungen des europäischen AI Acts.

Im August hatte der Konkurrent Anthropic eine vergleichbare Kennzeichnung für seinen KI-Assistenten Claude angekündigt.

Wie funktionieren die unsichtbaren Wasserzeichen?

OpenAI setzt auf eine eigens entwickelte Technologie namens „textGrain”. Im Gegensatz zu klassischen Wasserzeichen werden dabei keine versteckten Zeichen, unsichtbaren Leerzeichen oder zusätzliche Informationen in den Text eingefügt.

Stattdessen beeinflusst das Verfahren die Wortwahl des Sprachmodells geringfügig. Bei der Textgenerierung werden bestimmte Wörter bzw. Token anhand eines geheimen Musters bevorzugt. So entsteht über längere Textpassagen eine statistische Signatur, die sich mit einem speziellen Detektor überprüfen lässt.

Für Leser bleibt der Unterschied unsichtbar. Auch beim Kopieren und Einfügen eines Textes bleibt das Wasserzeichen grundsätzlich erhalten, da es in der Wortwahl selbst steckt. Laut OpenAI beeinträchtigt das Verfahren die Qualität der generierten Inhalte nicht wesentlich.

Einführung zunächst nur in der EU

OpenAI hat für die Einführung einen mehrstufigen Ansatz angekündigt:

  • ChatGPT und Codex: Geeignete Textausgaben sollen in den kommenden Wochen mit Wasserzeichen versehen werden. Das betrifft Nutzer aller Abonnementstufen innerhalb der EU.
  • OpenAI API: Entwickler können die Kennzeichnung bereits seit dem 5. Oktober 2026 weltweit für ausgewählte Modelle aktivieren. Standardmäßig bleibt sie deaktiviert.
  • Erkennungstool: Ein spezieller Detektor wird zunächst nur zugelassenen Forschern und Fachorganisationen zugänglich gemacht.
  • Weltweite Einführung: Eine standardmäßige Kennzeichnung außerhalb der EU ist zum Start nicht vorgesehen.

Ein genauer Termin, ab dem sämtliche geeigneten ChatGPT-Texte in Deutschland entsprechend gekennzeichnet werden, wurde bislang nicht genannt.

Wasserzeichen lassen sich nicht immer zuverlässig erkennen

Eine hundertprozentig zuverlässige Erkennung ist mit dieser neuen Technologie nicht möglich. OpenAI weist ausdrücklich auf mehrere Einschränkungen hin. Insbesondere kurze Texte enthalten oft nicht genügend statistische Informationen, um das Wasserzeichen zuverlässig nachzuweisen. Auch umfangreiche Überarbeitungen oder Übersetzungen können dazu führen, dass die Kennzeichnung nicht mehr erkannt wird.

Hinzu kommen mögliche Fehlalarme: Ein Detektor könnte einen von Menschen verfassten Text fälschlicherweise als KI-generiert einstufen. Umgekehrt beweist ein fehlendes Wasserzeichen keineswegs, dass ein Text von einem Menschen stammt.

Wichtig ist außerdem, dass die Kennzeichnung keine personenbezogenen Informationen enthält. Über das Wasserzeichen lassen sich weder der ChatGPT-Nutzer noch sein Konto, seine Prompts oder einzelne Unterhaltungen identifizieren. Auch der Umfang menschlicher Bearbeitungen lässt sich damit nicht feststellen.

Wasserzeichen sind leicht zu beeinträchtigen

OpenAI hat selbst untersucht, wie zuverlässig die Wasserzeichen tatsächlich sind. Die Ergebnisse zeigen deutliche Schwächen, insbesondere bei nachträglich bearbeiteten KI-generierten Texten.

Bei einem Test mit englischsprachigen Textpassagen von jeweils 400 Wörtern erreichte das Erkennungsverfahren zunächst eine Trefferquote von rund 92 Prozent. Anschließend ersetzten die Forscher einen Teil der Wörter durch Synonyme.

Die Ergebnisse:

  • Ohne Änderungen: 92 Prozent Erkennungsrate
  • 10 Prozent der Wörter ersetzt: 66 Prozent Erkennungsrate
  • 25 Prozent der Wörter ersetzt: nur noch 17 Prozent Erkennungsrate

Nach dem Austausch eines Viertels der Wörter konnte das Wasserzeichen in 83 Prozent der getesteten Fälle nicht mehr erkannt werden. Die Ergebnisse stammen aus einem kontrollierten Test mit englischen Texten und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Sprachen übertragen.

Auch die Textlänge hat einen erheblichen Einfluss auf die Zuverlässigkeit. So erkannte OpenAI bei einer angestrebten Falsch-Positiv-Rate von einem Prozent rund 80 Prozent der Wasserzeichen in Passagen mit 200 Token aus dem Bereich Psychologie. Bei 400 Token stieg die Erkennungsrate auf etwa 95 Prozent. Bei mathematischen Texten fiel die Erkennungsrate dagegen deutlich schlechter aus, da die Wortwahl dort weniger Spielraum bietet.

Anthropic setzt bereits auf ein ähnliches Verfahren

Auch Anthropic hat eine entsprechende Kennzeichnung für Claude angekündigt. Das Unternehmen erklärte am 14. August 2026, dass neue Modelle künftig unsichtbare statistische Wasserzeichen verwenden sollen.

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der geografischen Umsetzung: Während OpenAI seine Kennzeichnung zunächst auf die EU beschränkt, setzt Anthropic bei unterstützten Modellen auf eine weltweite Einführung. Damit reagieren beide Unternehmen auf die Transparenzpflichten des EU AI Acts.

OpenAI erklärt zudem, dass textGrain in internen Tests mindestens ebenso gut abgeschnitten habe wie vergleichbare Technologien - darunter Googles SynthID für Texte.

Was bedeutet das für Nutzer und Webseitenbetreiber?

Bei der Verwendung von ChatGPT zur Erstellung von Blogartikeln, Nachrichten oder anderen Texten sind zunächst keine sichtbaren Änderungen zu erwarten. Die Wasserzeichen sollen weder die Darstellung noch die Lesbarkeit beeinträchtigen.

Allerdings könnten entsprechend gekennzeichnete Texte künftig mithilfe spezieller Prüfverfahren als KI-generiert bzw. -bearbeitet erkannt werden. Das gilt auch dann, wenn der Text auf einer Webseite veröffentlicht wurde.

In welchem Umfang Suchmaschinen solche Signale auswerten werden, ist offen. Die Kennzeichnung allein sagt jedenfalls nichts über die Qualität, Richtigkeit oder Eigenständigkeit eines Textes aus.

Letzte Aktualisierung: 22. Oktober 2026
Felix Bauer
Felix Bauer
Felix Bauer ist IT-Security Consultant und IT Fachjournalist (Themen: Tech, IT-Sicherheit und Datenschutz). Felix Bauer ist seit 20 Jahren in der IT-Sicherheitsbranche tätig. Sein Hauptschwerpunkt liegt auf dem Thema „Virenschutz für Endanwender“. Felix Bauer hat bereits an zahlreichen IT-Sicherheitskonferenzen und sonstigen IT-Sicherheitstagungen teilgenommen und diverse professionelle Qualifikationen im Bereich IT-Sicherheit erworben. Er ist Mitbegründer des Projekts bleib-Virenfrei.

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