Quad9: DNS-Dienst zieht sich nach Gerichtsurteil aus Frankreich zurück

Quad9: DNS-Dienst zieht sich nach Gerichtsurteil aus Frankreich zurück

Der kostenlose DNS-Dienst Quad9 stellt sein Angebot für Nutzer in Frankreich zum 24. November 2026 ein. Grund dafür ist ein Urteil eines französischen Gerichts, das den Anbieter verpflichtet, bestimmte Webseiten zu sperren. Auslöser ist ein Rechtsstreit mit dem Sportrechteinhaber beIN Sports, der die Blockade illegaler Streaming-Angebote verlangt.

Da sich Quad9 weigert, die angeordneten DNS-Sperren umzusetzen, wird der Dienst für Nutzer in Frankreich eingestellt. Der Anbieter betrachtet diese Forderung als Eingriff in die Neutralität des Domain Name Systems (DNS) und warnt vor weitreichenden Folgen für den Datenschutz sowie die Sicherheit seiner Nutzer.

Pariser Gericht verhängte eine Strafe von 1.000 Euro pro Tag

Der Rechtsstreit begann im Mai 2026, als ein Pariser Gericht mehrere DNS-Anbieter, darunter Quad9, Google und DNS4EU, dazu verpflichtete, bestimmte Domains zu sperren, über die Tennisspiele der Women's Tennis Association (WTA) ohne entsprechende Übertragungsrechte verbreitet wurden.

Zunächst umfasste die Liste sechs Domains. Im Laufe des Verfahrens wurde die Liste auf insgesamt 58 Domains erweitert. Während die meisten Anbieter die Sperren umsetzten, verweigerte Quad9 die Zusammenarbeit.

beIN Sports beantragte daraufhin Zwangsgelder von bis zu 580.000 Euro täglich. Am 21. Oktober 2026 verhängte das Pariser Gericht schließlich ein Zwangsgeld von 1.000 Euro pro Tag. Da die Maßnahme bis zum 14. November 2026 andauert, rechnet Quad9 mit Gesamtkosten von bis zu 24.000 Euro.

Warum Quad9 die DNS-Sperren ablehnt

Quad9 betreibt einen öffentlich zugänglichen DNS-Resolver, der Domainnamen in IP-Adressen auflöst und Nutzer gleichzeitig vor bekannten Malware- und Phishing-Domains schützt.

Die Stiftung argumentiert, dass DNS-Resolver nicht für die Sperrung urheberrechtsverletzender Inhalte zuständig sein sollten. Hinzu kommt ein technisches Problem: Die angeordneten Sperren sollen ausschließlich französische Nutzer betreffen.

Quad9 nennt dafür mehrere Schwierigkeiten:

  • Zum einen gibt es keine Nutzerregistrierung, weil der Dienst keine Datenbank unterhält, mit der sich Anwender eindeutig einem Land zuordnen ließen.
  • IP-basierte Geolokalisierung gilt als unzuverlässig, weil VPN-Verbindungen die Sperren leicht umgehen.
  • Eine weltweite DNS-Sperre würde die französische Gerichtsentscheidung zudem auf Nutzer außerhalb Frankreichs ausweiten.

Der Anbieter lehnt vor allem die letzte Option ab. Stattdessen plant der Anbieter, den Dienst in Frankreich vollständig einzustellen. Die technische Umsetzung dieser Blockade ist jedoch noch offen.

Rund 20 weitere Verfahren anhängig

Die Entscheidung ist nicht allein das Ergebnis des aktuellen Urteils. Laut Quad9 sind in Frankreich derzeit rund 20 weitere Klagen gegen DNS-Anbieter anhängig, in denen die Sperrung Hunderter Domains verlangt wird.

Die gemeinnützige Stiftung befürchtet, dass sich mögliche Zwangsgelder summieren und ihre finanzielle Existenz gefährden.

Bereits 2024 hatte der zu Cisco gehörende DNS-Dienst OpenDNS seinen Betrieb in Frankreich wegen vergleichbarer gerichtlicher Sperrverfügungen eingestellt. Damit ist Quad9 nicht der erste Anbieter, der wegen solcher Maßnahmen den französischen Markt verlässt.

Was bedeutet das für Nutzer?

Ab dem 24. November 2026 steht der DNS-Dienst Quad9 französischen Nutzern nicht mehr zur Verfügung. Nutzer, die den DNS-Server 9.9.9.9 fest in ihrem Router oder Betriebssystem eingetragen haben, müssen daher rechtzeitig zu einem anderen Anbieter wechseln.

Sonst droht die Auflösung von Domainnamen zu scheitern, sodass Webseiten und andere Internetdienste nicht mehr erreichbar sind. Die Internetverbindung selbst bleibt davon unberührt.

Nutzer in Deutschland und anderen Ländern sind von dieser Abschaltung nicht betroffen. Quad9 will seine Dienste außerhalb Frankreichs weiterhin anbieten.

Der Rechtsstreit ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Quad9 hat Rechtsmittel eingelegt und angekündigt, sich auch künftig gegen gerichtlich angeordnete DNS-Sperren zu wehren.

Letzte Aktualisierung: 23. Oktober 2026
Felix Bauer
Felix Bauer
Felix Bauer ist IT-Security Consultant und IT Fachjournalist (Themen: Tech, IT-Sicherheit und Datenschutz). Felix Bauer ist seit 20 Jahren in der IT-Sicherheitsbranche tätig. Sein Hauptschwerpunkt liegt auf dem Thema „Virenschutz für Endanwender“. Felix Bauer hat bereits an zahlreichen IT-Sicherheitskonferenzen und sonstigen IT-Sicherheitstagungen teilgenommen und diverse professionelle Qualifikationen im Bereich IT-Sicherheit erworben. Er ist Mitbegründer des Projekts bleib-Virenfrei.

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