Disney+ Premium-Abo: Verbraucherzentrale fordert Preissenkung

Disney+ Premium-Abo: Verbraucherzentrale fordert Preissenkung

Das Premium-Abo von Disney+ kostet 16 Euro pro Monat bzw. 160 Euro pro Jahr und ist somit rund 5 Euro teurer als das Standard-Abo. Der Streamingdienst wirbt dafür mit 4K UHD, HDR, Dolby Atmos und vier parallelen Streams. Doch seit Monaten werden Premium-Kunden in Deutschland genau diese Extras oft nicht mehr geboten.

Grund dafür ist ein Patentstreit zwischen Disney und dem US-Technologieunternehmen InterDigital. Ein Gerichtsurteil zwang Disney, die Verfügbarkeit hochwertiger Videoformate wie 4K, HDR und Dolby Vision einzuschränken.

Zwar konnte Disney das Basis-HDR-Format HDR10 zwischenzeitlich wiederherstellen, doch die Abdeckung bleibt lückenhaft. Bei Tests liefen Inhalte trotz Premium-Abo oft nur in Full-HD-Auflösung und das Feature HDR fehlte in vielen Formaten weiterhin.

Das fordert die Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen sieht in der fehlenden Bildqualität einen klaren rechtlichen Mangel. Wer ein Premium-Abo abschließt, dürfe bestimmte zugesicherte oder üblicherweise zu erwartende Eigenschaften erwarten. Dass der Mangel durch einen Patentstreit verursacht wurde, sei für die Kunden völlig unerheblich. Rechtlich ist allein Disney+ als Vertragspartner dafür verantwortlich, die beworbene und bezahlte Qualität zu gewährleisten.

Die Abmahnung enthält klare Forderungen: Disney soll eine Unterlassungserklärung unterzeichnen und sich verpflichten, den Streaming-Dienst nicht mehr mit Leistungen zu bewerben, die nicht erbracht werden können.

Zudem soll das Unternehmen seine Bestandskunden über die Einschränkungen bei der Bildqualität informieren. Schließlich soll Disney den erhöhten Preis für das Premium-Abo nicht mehr in Rechnung stellen, solange die Mehrleistung bei der Bildqualität nicht verfügbar ist. Konkret bedeutet das, dass Disney entweder die Preise senken oder den Kunden die Differenz zum Standardtarif erstatten muss.

Disney hat bis zum 20. November Zeit, die Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Falls das Unternehmen sich dagegen entscheidet, will die Verbraucherzentrale weitere Schritte prüfen.

Auch der Ton sorgt für Ärger

Neben der Bildqualität gibt es noch einen zweiten Streitpunkt: die Tonqualität. Disney bewirbt das Premium-Abo mit dem Slogan „Unterstützt Dolby Atmos“. Doch diese hohe Tonqualität steht bei vielen Inhalten nur auf der englischen Original-Tonspur zur Verfügung, nicht aber auf Deutsch. Disney weist in der Werbung nicht transparent genug darauf hin.

Wegen dieser irreführenden Werbung hatte die Verbraucherzentrale Niedersachsen Disney bereits abgemahnt. Disney hat inzwischen reagiert und eine Unterlassungserklärung abgegeben. Der Anbieter weist nun in einer Fußnote darauf hin, dass nicht alle Systeme Dolby Atmos unterstützen.

Unterstützt Dolby Atmos

Was bedeutet das für Disney+-Kunden?

Für betroffene Premium-Abonnenten bedeutet die Abmahnung vor allem eines: Sie müssen die Einschränkungen nicht einfach hinnehmen. Die Verbraucherzentrale rät bereits seit dem Wegfall von Dolby Vision dazu, einen Teil des Abopreises zurückzufordern, und stellt dafür eine Musterformulierung bereit.

Wer weniger Leistung als versprochen erhält, hat nach Ansicht der Verbraucherzentralen ein Recht auf Preisminderung. Betroffene können für den Zeitraum der schlechteren Qualität das Entgelt mindern und einen Teil des bereits gezahlten Abo-Preises zurückfordern.

Disney hatte Premium-Kunden nach dem Wegfall von 4K und HDR zwar per E-Mail ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt, eine automatische Preisminderung gibt es aber nicht. Genau das monieren die Verbraucherschützer.

Auch auf europäischer Ebene gibt es Druck: Der Verbraucherschutzverbund Euroconsumers hat Disney eine Frist für die Entschädigung von Premium-Kunden in Italien, Belgien und Portugal gesetzt. Die Forderung: Disney soll den Monatspreis senken und für jeden Monat, in dem Funktionen fehlen, mindestens 5 Euro gutschreiben.

Letzte Aktualisierung: 29. Oktober 2026
Felix Bauer
Felix Bauer
Felix Bauer ist IT-Security Consultant und IT Fachjournalist (Themen: Tech, IT-Sicherheit und Datenschutz). Felix Bauer ist seit 20 Jahren in der IT-Sicherheitsbranche tätig. Sein Hauptschwerpunkt liegt auf dem Thema „Virenschutz für Endanwender“. Felix Bauer hat bereits an zahlreichen IT-Sicherheitskonferenzen und sonstigen IT-Sicherheitstagungen teilgenommen und diverse professionelle Qualifikationen im Bereich IT-Sicherheit erworben. Er ist Mitbegründer des Projekts bleib-Virenfrei.

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