WhatsApp könnte auch in Deutschland zur Bezahl-App werden. Darauf deuten zumindest Hinweise in den aktuellen Beta-Versionen des Messengers hin. Eine offizielle Ankündigung von Meta steht allerdings weiterhin aus. Zudem ist der Weg bis zum flächendeckenden Einsatz in Deutschland mit regulatorischen und wettbewerblichen Hürden gepflastert.
Was steckt hinter den aktuellen Spekulationen?
Die jüngsten Diskussionen gehen auf Entdeckungen in der Beta-Version von WhatsApp für iOS zurück. In den App-Einstellungen ist ein neuer Bereich namens „Zahlungen” aufgetaucht. Dort können Nutzer künftig Kontakte auswählen, Geld senden sowie Kredit- und Debitkarten hinterlegen.
Auch Rechnungs- und Lieferadressen lassen sich dort speichern. Besonders auffällig ist die Länderauswahl für Rechnungsadressen, in der neben Märkten wie Indien, Brasilien und Singapur auch Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, die Niederlande, Australien, Kanada und die USA enthalten sind.
Diese Liste bedeutet zwar nicht automatisch, dass WhatsApp Payments in all diesen Ländern startet. Sie zeigt jedoch, dass Meta die technische Infrastruktur für eine breitere internationale Unterstützung offenbar bereits vorbereitet. Der neue Zahlungsbereich befindet sich allerdings noch in der Entwicklung und ist derzeit nicht einmal für Beta-Tester freigeschaltet.
So funktioniert WhatsApp Pay in anderen Ländern
In Indien nutzt WhatsApp Pay das dortige Unified Payments Interface (UPI), in Brasilien wird das Pix-System unterstützt und in Singapur arbeitet der Messenger unter anderem mit Stripe und PayNow zusammen. Nutzer können ihre Bankkonten oder Karten verknüpfen und dann Peer-to-Peer-Überweisungen direkt im Chat ausführen.
Für Unternehmen bietet WhatsApp Pay die Möglichkeit, Zahlungen ohne externe Shop-Systeme abzuwickeln - ein Modell, das besonders für kleine Händler und Dienstleister attraktiv ist, die WhatsApp bereits für die Kundenkommunikation nutzen.
Die Nutzung ist für Verbraucher in der Regel kostenlos, unterliegt aber Limits. In einigen Märkten sind beispielsweise maximal 20 Transaktionen pro Tag erlaubt.
Regulatorische Hürden in Deutschland
Für WhatsApp Pay ist der deutsche Markt alles andere als ein Selbstläufer. Einerseits muss ein Zahlungsdienst von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassen werden. Andererseits gelten in der EU durch die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 strenge Vorgaben, die unter anderem eine starke Kundenauthentifizierung vorschreiben.
Diese darf in Europa nicht im Chat, sondern muss auf der Seite des Zahlungsdienstleisters oder in der Banking-App erfolgen. Hinzu kommen die strengen Datenschutzregeln der DSGVO, die den Umgang mit sensiblen Finanzdaten zusätzlich erschweren.
Starker Wettbewerb im Bezahl-Ökosystem
Selbst wenn die regulatorischen Hürden genommen wären, müsste sich WhatsApp Pay in Deutschland gegen etablierte Konkurrenten durchsetzen. PayPal ist hierzulande die dominierende Online-Bezahlmethode, dicht gefolgt von Rechnungskauf, Lastschrift und Kartenzahlung.
Auch Apple Pay und Google Pay sind weit verbreitet. Mit Wero entsteht zudem eine europäische Alternative, die zwar noch im Aufbau ist, aber langfristig eine wichtige Rolle spielen könnte.
Mein Fazit: Vorsichtige Annäherung statt schnellem Start
Die Zeichen stehen auf Expansion, doch ein Deutschland-Start von WhatsApp Payments ist noch lange nicht beschlossen. Die Länderliste in der Beta-Version ist ein Indiz, aber noch kein Versprechen. Wer heute in Deutschland über WhatsApp bezahlen möchte, muss weiterhin auf Links zu PayPal, Stripe und anderen Gateways zurückgreifen.
Bis WhatsApp hierzulande native Zahlungen anbietet, müssen regulatorische Hürden genommen, Partnerbanken gefunden und ein überzeugendes Angebot gegen die starke Konkurrenz entwickelt werden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Meta den europäischen Markt tatsächlich ernsthaft angeht oder es bei einer vorsichtigen Annäherung bleibt.

