OpenAI: Mit Werbung bis 2030 über 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr

OpenAI: Mit Werbung bis 2030 über 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr

OpenAI könnte sich in den kommenden Jahren zu einem der größten Werbeunternehmen der Welt entwickeln. Laut einem Bericht von Axios, der später auch von Reuters aufgegriffen wurde, rechnet das Unternehmen gegenüber Investoren mit enormen Werbeumsätzen: 2,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026, 11 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027, 25 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028, 53 Milliarden US-Dollar im Jahr 2029 und schließlich 100 Milliarden US-Dollar jährlich bis 2030.

Es handelt sich nicht um eine offiziell veröffentlichte OpenAI-Prognose, sondern um Zahlen aus angeblichen Investorengesprächen. Trotzdem zeigt der Bericht sehr deutlich, in welche Richtung sich ChatGPT und andere OpenAI-Produkte entwickeln könnten. Demnach soll Werbung offenbar zu einem zentralen Baustein des Geschäftsmodells werden.

ChatGPT als neue Werbeplattform

Bisher generiert OpenAI den Großteil seiner Einnahmen mit Abonnements, API-Zugängen und Unternehmenslösungen. Zu den bekannten Erlösquellen zählen ChatGPT Plus, Team- und Enterprise-Angebote, die API-Nutzung durch Entwickler sowie neue Produkte wie Codex oder Sora. Doch diese Modelle haben ein Problem: KI ist teuer. Jede Anfrage verursacht Rechenkosten und je mehr Nutzer ChatGPT verwenden, desto größer wird der Infrastrukturbedarf.

Dieses Problem kann teilweise durch Werbung gelöst werden. Insbesondere die vielen kostenlosen Nutzer lassen sich über klassische Abomodelle nur schwer monetarisieren. Genau hier setzt das neue Modell an. Nutzer, die ChatGPT kostenlos oder in günstigen Tarifen nutzen, könnten künftig häufiger gesponserte Hinweise sehen.

OpenAI selbst beschreibt die Anzeigen als klar gekennzeichnet und von der eigentlichen Antwort getrennt. Sie sollen also nicht heimlich in die Antwort eingebaut werden, sondern als gesponserter Inhalt sichtbar erscheinen.

Warum Werbung in ChatGPT so wertvoll sein könnte

Der große Unterschied zu Google oder Meta liegt im Kontext. Bei einer Suchmaschine gibt ein Nutzer oft nur ein oder zwei Suchbegriffe ein. In ChatGPT beschreibt er dagegen häufig sehr genau, wonach er sucht, was er vorhat und welche Einschränkungen es gibt.

Ein Beispiel: Wer bei Google nach „Laptop kaufen” sucht, gibt nur ein grobes Signal. Wer hingegen ChatGPT fragt, welcher leichte Laptop sich für die Bildbearbeitung eignet, eine lange Akkulaufzeit bietet und für Reisen bis 1.500 Euro geeignet ist, zeigt ein viel genaueres Kaufinteresse. Für Werbetreibende ist diese Information extrem wertvoll.

Dies wird bei Themen wie Reisen, Software, Versicherungen, Weiterbildung, Haushaltsprodukten oder lokalen Dienstleistungen noch deutlicher. ChatGPT kann nicht nur erkennen, ob jemand grundsätzlich Interesse hat, sondern auch, in welcher Phase des Entscheidungsprozesses sich der Nutzer befindet. Dadurch wird die Werbung in einem KI-Assistenten potenziell deutlich präziser als klassische Bannerwerbung.

Die 100-Milliarden-Prognose ist extrem ambitioniert

Ein Werbeumsatz von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr wäre eine gewaltige Summe. Damit würde OpenAI in eine Liga mit den größten Werbekonzernen der Welt aufsteigen. Zum Vergleich: Meta erzielte im Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von rund 201 Milliarden US-Dollar, der größte Teil davon stammte aus Werbung. Alphabet, der Mutterkonzern von Google, kam im selben Jahr auf mehr als 400 Milliarden US-Dollar Umsatz, der ebenfalls stark durch Werbung geprägt ist.

Die Frage ist jedoch, ob Nutzer Werbung in einem KI-Assistenten akzeptieren würden. Viele Menschen nutzen ChatGPT schließlich, weil sie sich klare Antworten ohne überladene Suchergebnisse, SEO-Spam oder eine Werbeflut erhoffen. Wenn gesponserte Inhalte zu dominant werden, könnte das Vertrauen leiden.

Die wirtschaftliche Logik

Die wirtschaftliche Logik hinter diesem Schritt ist nachvollziehbar. OpenAI investiert massiv in Rechenzentren, Chips, Modelle, Forschung und Produktentwicklung. Gleichzeitig wächst der Wettbewerb. Google, Anthropic, Meta, xAI und andere Anbieter konkurrieren um Nutzer, Entwickler und Unternehmenskunden.

Ein reines Abo-Modell könnte auf lange Sicht nicht ausreichen, um die Kosten zu decken. Werbung bietet dagegen Skalierung: Je mehr Menschen ChatGPT nutzen, desto mehr Werbefläche entsteht. Insbesondere bei kostenlosen Nutzern kann Werbung dabei helfen, den Zugang zu KI kostengünstiger oder sogar kostenlos zu gestalten.

Letzte Aktualisierung: 25. Juni 2026
Felix Bauer
Felix Bauer
Felix Bauer ist IT-Security Consultant und IT Fachjournalist (Themen: Tech, IT-Sicherheit und Datenschutz). Felix Bauer ist seit 20 Jahren in der IT-Sicherheitsbranche tätig. Sein Hauptschwerpunkt liegt auf dem Thema „Virenschutz für Endanwender“. Felix Bauer ist OpenSource-Evangelist und besitzt den Master of Science in Security and Forensic Computing. Felix Bauer hat bereits an zahlreichen IT-Sicherheitskonferenzen und sonstigen IT-Sicherheitstagungen teilgenommen und diverse professionelle Qualifikationen im Bereich IT-Sicherheit erworben. Er ist Mitbegründer des Projekts bleib-Virenfrei.

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