Ein Sicherheitsupdate soll dafür sorgen, dass Windows besser geschützt ist. Bei Microsoft Defender ist allerdings zuletzt ziemlich genau das Gegenteil passiert. Nach einem fehlerhaften Update stürzte der integrierte Virenscanner auf einigen Windows-PCs während eines Scans einfach ab. Teilweise verabschiedete sich sogar der komplette Defender-Dienst.
Microsoft hat das Problem inzwischen bestätigt und einen Fix veröffentlicht. Wer die aktuellen Defender-Updates installiert hat, ist daher bereits wieder geschützt.
Defender beendet Schnell- und vollständige Scans
Die ersten Berichte tauchten Mitte August auf. Betroffene Nutzer stellten fest, dass sowohl der Schnellscan als auch der vollständige Virenscan kurz nach dem Start abbrachen.
In schwereren Fällen erschien anschließend in der Windows-Sicherheit die Meldung:
„Der Bedrohungsdienst wurde beendet. Starten Sie ihn jetzt neu.“
Damit war der manuell gestartete Scan nicht nur beendet. In einigen Fällen musste zunächst der Microsoft-Defender-Dienst neu gestartet werden, damit der Virenschutz wieder normal funktionierte.
In den Fehlerprotokollen wurde unter anderem der Fehlercode 0xc0000005 protokolliert. Dabei handelt es sich um eine Zugriffsverletzung, bei der eine Anwendung versucht, auf einen Speicherbereich zuzugreifen, auf den sie nicht zugreifen darf.
Besonders unangenehm: Einige Administratoren hielten dieses Verhalten zunächst für die Folge einer Malware-Infektion. Erst als sich ein Absturz des Defenders auch auf anderen Rechnern allein durch das Starten eines Schnellscans reproduzieren ließ, wurde klar, dass der Virenscanner von Microsoft die Ursache war.
Windows 10 und Windows 11 betroffen
Das Problem war offenbar nicht auf eine einzelne Windows-Version beschränkt. Berichte über die Abstürze gab es sowohl unter Windows 10 als auch Windows 11.
Nutzerberichten zufolge waren insbesondere Kombinationen neuer Versionen der Defender-Engine und der Security Intelligence betroffen. So konnten auch vollständige Scans scheitern, während Defender-Offline-Scans bei einigen Nutzern bei etwa 90 bis 93 Prozent hängen blieben.
Gerade bei einem Virenscanner ist das ein ziemlich unschöner Fehler. Ein abgestürzter Taschenrechner ist ärgerlich. Wenn jedoch ausgerechnet die Sicherheitssoftware bei der Suche nach Schadsoftware ihren Dienst einstellt, ist das etwas ganz anderes.
Ausgerechnet ein Sicherheitsupdate war der Auslöser
Die Abstürze traten nach neuen Microsoft-Sicherheits- bzw. Defender-Updates auf. Laut übereinstimmenden Berichten lag das Problem bei einer fehlerhaften Aktualisierung der Defender-Komponenten bzw. der Security Intelligence.
Brisant ist auch der zeitliche Zusammenhang mit den Arbeiten an einer Sicherheitslücke rund um Microsoft Defender. Die als ShieldBreak bezeichnete Schwachstelle demonstriert einen möglichen Weg zur lokalen Rechteausweitung auf SYSTEM-Rechte und baut auf einer zuvor nur unvollständig behobenen Schwachstelle auf.
Laut Berichten tauchte das Scan-Problem im Zuge neuer Defender-Aktualisierungen auf, mit denen Microsoft unter anderem auf diese Sicherheitsprobleme reagierte. Einen eindeutigen technischen Kausalzusammenhang zwischen ShieldBreak und dem Absturz hat Microsoft allerdings nicht detailliert dokumentiert. Daher sollte man nicht behaupten, dass der ShieldBreak-Patch nachweislich allein für die Abstürze verantwortlich war.
Microsoft bestätigt den Fehler und liefert einen Fix
Inzwischen hat Microsoft reagiert. Gegenüber BleepingComputer hat das Unternehmen den Fehler bestätigt und erklärt, eine Korrektur veröffentlicht zu haben.
Der Fix steckt im Microsoft Defender Antivirus Security Intelligence Update 1.457.236.0 oder neuer. Nach Angaben Microsofts wird die korrigierte Version über die automatischen Defender-Updates verteilt.
Um sicherzustellen, dass der Fehler behoben ist, sollten Betroffene zunächst Windows Update ausführen und anschließend prüfen, ob die aktuellen Sicherheitsinformationen für Microsoft Defender installiert wurden.
So prüft ihr eure Defender-Version
Die installierten Defender-Versionen lassen sich unter Windows mit PowerShell überprüfen.
Dazu PowerShell öffnen und folgenden Befehl ausführen:
Get-MpComputerStatus
Insbesondere die Angaben zur Antivirus-Engine und zu den installierten Signaturen sind interessant.
Alternativ lässt sich die Version direkt über die Windows-Sicherheit kontrollieren:
Windows-Sicherheit → Viren- & Bedrohungsschutz → Schutzupdates
Dort kann auch manuell nach neuen Security-Intelligence-Updates gesucht werden.
Wer noch eine fehlerhafte Version verwendet, sollte auf Security Intelligence 1.457.236.0 oder neuer aktualisieren.
Kein Ruhmesblatt für Microsoft Defender
Microsoft Defender hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt und bietet inzwischen einen soliden Basisschutz, der für die meisten Windows-Nutzer ausreicht.
Gerade deshalb sind solche Fehler ärgerlich. Microsoft liefert Defender tief integriert mit Windows aus und verteilt seine Signaturen und Komponenten automatisch an Millionen Rechner. Ein fehlerhaftes Security-Update kann entsprechend schnell sehr viele Systeme erreichen.
Aus diesem Grund empfehle ich bereits seit Längerem, sich nicht ausschließlich auf den Microsoft Defender zu verlassen, sondern auch alternative Virenscanner in Betracht zu ziehen. Unabhängige Sicherheitslösungen wie Bitdefender erzielen in Virenscanner Tests häufig eine sehr hohe Schutzwirkung und sind nicht in gleichem Maße mit zentralen Windows-Komponenten verzahnt. Der aktuelle Vorfall zeigt erneut, dass die tiefe Integration des Defenders nicht nur Vorteile hat.
Immerhin wurde das Problem vergleichsweise schnell behoben. Nutzer sollten jetzt lediglich darauf achten, dass mindestens das Defender Security Intelligence Update 1.457.236.0 installiert ist.
Nutzer, die die aktuellen Defender-Updates erhalten haben, sollten den Fehler daher inzwischen nicht mehr bemerken.

