Epic Games hat erstmals einen konkreteren Zeitplan für die Veröffentlichung der Unreal Engine 6 genannt. Demnach soll die nächste große Generation der bekannten Spiele-Engine Ende 2027 in die Early-Access-Phase starten. Die finale Version ist 12 bis 18 Monate später geplant. Somit dürfte die Unreal Engine 6 frühestens Ende 2028 oder im Laufe des Jahres 2029 für den produktiven Einsatz bereitstehen.
Epic versteht die Unreal Engine 6 nicht nur als klassischen Nachfolger der Unreal Engine 5. Stattdessen soll die UE6 zwei bislang getrennte Entwicklungsstränge zusammenführen: die Unreal Engine 5 für die klassische Spieleentwicklung und den Unreal Editor for Fortnite (UEFN).
Unreal Engine 6 wird mehr als ein Grafik-Update
Bei früheren Engine-Sprüngen standen oft neue Grafikfunktionen im Mittelpunkt. Auch bei der Unreal Engine 6 sollen Rendering, Performance, mobile Optimierung und kürzere Iterationszeiten weiter verbessert werden. Der Fokus liegt jedoch deutlich breiter.
Epic beschreibt die UE6 als gemeinsames Fundament für klassische Spiele, Fortnite-Erlebnisse und größere Live-Ökosysteme. Künftig sollen Entwickler Inhalte einmal erstellen und sie anschließend flexibler auf verschiedenen Plattformen oder sogar innerhalb unterschiedlicher Spielewelten einsetzen können.
Die Unreal Engine soll nicht nur für eine bessere Grafik sorgen, sondern auch zu einer Plattform für vernetzte Spiele, Creator-Inhalte und digitale Ökonomien werden.
UE5 und UEFN wachsen zusammen
Der wichtigste Punkt der Ankündigung ist die Zusammenführung von Unreal Engine 5 und UEFN. Mit UEFN können Entwickler und Creator eigene Inhalte direkt für Fortnite erstellen. Dort wurden bereits viele neue Ideen rund um Verse, Live-Erlebnisse und Creator-Ökosysteme praktisch getestet.
Mit der UE6 sollen diese Ansätze in die klassische Unreal-Engine-Welt übertragen werden. Entwickler sollen dann nach wie vor normale Spiele für PC, Konsole und Mobile entwickeln können. Gleichzeitig soll es einfacher werden, diese Inhalte auch in Fortnite oder in eigenen Live-Ökosystemen nutzbar zu machen.
Laut Epic bedeutet das für bestehende UE5-Projekte keinen harten Schnitt. In frühen UE6-Versionen sollen Actors und Blueprints weiterhin vorhanden sein. Erst wenn die neuen Systeme ausgereift genug sind, sollen die alten Strukturen schrittweise abgelöst werden. Auch Konvertierungswerkzeuge sind geplant.
Verse und Scene Graph als neue Basis
Ein zentraler technischer Baustein der Unreal Engine 6 ist Verse. Dabei handelt es sich um die Programmiersprache von Epic für große, persistente und skalierbare Spielwelten. Langfristig soll Verse das neue Gameplay-Programmiermodell der Engine bilden.
Auf dieser Grundlage entsteht mit „Scene Graph” ein neues Gameplay-Framework. Es soll Entwicklern dabei helfen, komplexe Spielsysteme, Inhalte und Komponenten einfacher zu erstellen und diese wiederzuverwenden - und zwar zwischen verschiedenen Projekten.
Besonders interessant ist das Ziel von Epic, große Live-Welten einfacher skalieren zu können. Langfristig soll die Engine besser mit persistenten Zuständen, verteilten Serverstrukturen und großen Mengen gleichzeitig aktiver Inhalte umgehen können.
Fortnite-Skins könnten in anderen Spielen nutzbar werden
Epic möchte erreichen, dass Inhalte, Code und digitale Ökonomien leichter zwischen Spielen, Engines und Ökosystemen ausgetauscht werden können.
Als erstes Beispiel nennt Epic Games die Fortnite-Kosmetika. Künftig sollen Entwickler die Möglichkeit bekommen, Fortnite-Outfits in eigenen Spielen nutzbar zu machen. Umgekehrt sollen auch Outfits aus anderen Spielen so gestaltet werden können, dass sie in Fortnite verwendet werden können.
KI-Werkzeuge werden Teil der Pipeline
Auch KI spielt in Epics Roadmap eine größere Rolle. So soll die Unreal Engine 6 beispielsweise Workflows enthalten, bei denen Entwickler eigene KI-Modelle oder externe Tools einbinden können. Dabei nennt Epic unter anderem das Model Context Protocol (MCP).
Die Idee dahinter: KI-Assistenten sollen nicht nur Texte oder Codefragmente liefern, sondern auch stärker mit konkreten Unreal-Projekten interagieren können. Mögliche Anwendungsbereiche sind das Level-Setup, die Animation, die Beleuchtung, Partikelsysteme, das Rigging, Tests oder die Fehleranalyse.
Epic Games betont dabei, dass die Entwickler weiterhin die kreative Kontrolle behalten sollen. KI soll vor allem wiederkehrende und zeitintensive Arbeitsschritte beschleunigen, um mehr Raum für Iteration zu schaffen.
Unreal Engine 5.8 bleibt vorerst die produktive Basis
Parallel zur UE6-Roadmap hat Epic Games auch die Unreal Engine 5.8 veröffentlicht. Laut Epic ist dies die letzte derzeit fest geplante große UE5-Version. Eine Version 5.9 ist möglich, aktuell aber nicht fest eingeplant.

