Tidal: Neue Regeln für KI-Musik

Tidal: Neue Regeln für KI-Musik

Tidal zieht bei KI-generierter Musik neue Grenzen. Der Streamingdienst hat neue Richtlinien für KI-Inhalte vorgestellt, die vor allem drei Dinge regeln sollen: Hörer sollen KI-Musik besser erkennen können, rein KI-generierte Songs sollen nicht mehr monetarisiert werden und betrügerische Uploads sollen konsequenter entfernt werden. Die neuen Regeln wurden am 29. Juni 2026 veröffentlicht und sollen ab Mitte Juli greifen.

Tidal verbietet KI-Musik nicht komplett

Wichtig ist: Tidal spricht kein vollständiges Verbot für KI-generierte Musik aus. Der Dienst will KI-Musik weiterhin akzeptieren, sofern sie den neuen Plattformregeln, den Nutzungsbedingungen sowie den Vereinbarungen mit Rechteinhabern und Distributoren entspricht. Tidal definiert KI-generierte Musik als Musik, die vollständig oder wesentlich durch generative künstliche Intelligenz erstellt wurde.

Damit grenzt sich Tidal vom massenhaften KI-Spam ab und erlaubt den kreativen Einsatz von KI. Künstler sollen KI-Werkzeuge grundsätzlich nutzen dürfen. Gleichzeitig will die Plattform verhindern, dass künstlich erzeugte Inhalte echte Künstler verdrängen, Hörer täuschen oder das Vergütungssystem ausnutzen.

KI-Badge für vollständig KI-generierte Songs

Ab Mitte Juli will Tidal KI-generierte Inhalte direkt in der App kennzeichnen. Zunächst sollen Songs ein entsprechendes Symbol erhalten, wenn Tidal sie als zu 100 Prozent KI-generiert erkennt. Später soll die Kennzeichnung auch auf Inhalte ausgeweitet werden, die „wesentlich“ KI-generiert sind, sobald die Erkennungsmethoden zuverlässiger sind.

Beim Hören soll künftig klarer erkennbar sein, ob ein Titel von Menschen erstellt wurde oder aus einem KI-Musikgenerator stammt. Tidal stellt damit Transparenz in den Mittelpunkt.

Keine Einnahmen für vollständig KI-generierte Musik

Am härtesten trifft die neue Richtlinie die Monetarisierung. Tidal will Musik, die als vollständig KI-generiert erkannt wird, nicht mehr vergüten. Solche Titel sollen keine Tantiemen erhalten und auch nicht für Direct-to-Fan-Verkäufe infrage kommen. Laut Tidal sollen Einnahmen in erster Linie an Werke gehen, die direkt von Menschen geschrieben, produziert und dargeboten wurden.

Das ist ein deutliches Signal an Uploader, die mit massenhaft generierten Songs Einnahmen erzielen wollen. KI-Musik darf auf der Plattform existieren, soll aber nicht automatisch am Vergütungssystem teilnehmen, sofern sie vollständig maschinell erzeugt wurde.

Tidal geht gegen Fake-Künstler und Streaming-Betrug vor

Tidal will besonders streng gegen KI-Musik vorgehen, die echte Künstler imitiert oder betrügerische Absichten verfolgt. Dazu gehören Inhalte, die Namen, Stimmen, Stil oder Identität von Künstlern ausnutzen, um Hörer zu täuschen oder durch ungewöhnliches Streaming-Verhalten aufzufallen. Solche Inhalte sollen ab Mitte Juli blockiert oder entfernt werden.

Warum Tidal jetzt reagiert

KI-Musik ist schon lange kein Randthema mehr. So gab Deezer im April 2026 bekannt, dass täglich fast 75.000 vollständig KI-generierte Titel auf der Plattform hochgeladen werden. Das entsprach mehr als 44 Prozent aller neuen täglichen Musiklieferungen.

Auch Spotify hat bereits auf diese Entwicklung reagiert. So kündigte der Dienst für das Jahr 2025 strengere Regeln gegen KI-Stimmenklone, einen neuen Spam-Filter sowie KI-Hinweise in Musik-Credits an. Außerdem erklärte Spotify, in den letzten zwölf Monaten mehr als 75 Millionen spamartige Titel entfernt zu haben.

Letzte Aktualisierung: 30. Juni 2026
Felix Bauer
Felix Bauer
Felix Bauer ist IT-Security Consultant und IT Fachjournalist (Themen: Tech, IT-Sicherheit und Datenschutz). Felix Bauer ist seit 20 Jahren in der IT-Sicherheitsbranche tätig. Sein Hauptschwerpunkt liegt auf dem Thema „Virenschutz für Endanwender“. Felix Bauer ist OpenSource-Evangelist und besitzt den Master of Science in Security and Forensic Computing. Felix Bauer hat bereits an zahlreichen IT-Sicherheitskonferenzen und sonstigen IT-Sicherheitstagungen teilgenommen und diverse professionelle Qualifikationen im Bereich IT-Sicherheit erworben. Er ist Mitbegründer des Projekts bleib-Virenfrei.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Hinweis: Aufgrund einer enormen Zunahme von Spam-Kommentaren muss ich alle Kommentare manuell freischalten. Es kann daher zu Verzögerungen bei der Veröffentlichung von Kommentaren kommen.