Ubiquiti erweitert sein UniFi-Ökosystem und wagt sich nun deutlich stärker in den Enterprise-Speicherbereich vor. Mit dem neuen Enterprise NAS (kurz ENAS) hat der Hersteller ein 3U-Rack-NAS vorgestellt, das nicht mehr nur für die einfache Dateiablage oder kleinere Backups gedacht ist. Stattdessen richtet sich das System klar an Unternehmen, Homelab-Enthusiasten mit größerem Rack sowie Nutzer, die bereits stark auf UniFi setzen.
Der wichtigste Unterschied zu den bisherigen UniFi-NAS-Modellen ist der technische Unterbau. Das Enterprise NAS setzt auf ZFS, bietet 16 Einschübe für 2,5- und 3,5-Zoll-Laufwerke, 64 GB ECC-RAM, einen Arm-Neoverse-N2-Prozessor mit acht Kernen und eine schnelle Netzwerkanbindung über zwei 25-Gbit/s-SFP28-Ports. Zusätzlich gibt es einen 10-GbE-RJ45-Port, zwei M.2-NVMe-Slots für Cache und redundante Netzteile.
Damit positioniert Ubiquiti das Gerät deutlich über den bisherigen UNAS-Modellen.
Enterprise NAS: Ubiquiti setzt erstmals richtig auf ZFS
ZFS ist für ein NAS dieser Klasse ein wichtiges Signal. Es ist vor allem für seine Eigenschaften in Bezug auf Datenintegrität, Snapshots, RAID-Z-Konfigurationen und größere Speicherpools bekannt. Ubiquiti unterstützt beim Enterprise NAS unter anderem RAID-Z1, RAID-Z2 und RAID-Z3. Damit lässt sich je nach Konfiguration ein unterschiedlich hohes Maß an Ausfallsicherheit erreichen.
Das ist bei einem 16-Bay-System wichtig. Wer so viele Laufwerke in einem Speicherpool nutzt, möchte nicht nur eine hohe Kapazität, sondern auch eine robuste Absicherung gegen Laufwerksausfälle. Ubiquiti spricht außerdem von Hot-Spare-Unterstützung, Snapshots und Dateiverschlüsselung.
Interessant ist auch, dass Ubiquiti eigenen Angaben zufolge keine klassischen Firmware-Beschränkungen auf bestimmte Laufwerksmodelle erzwingen will. Dadurch ist das Gerät flexibler als manche Enterprise-Systeme, bei denen bestimmte Festplatten oder SSDs offiziell vorgegeben sind.
Die wichtigsten technischen Daten im Überblick
| Merkmal | Ubiquiti Enterprise NAS |
|---|---|
| Bauform | 3U-Rackmount |
| Laufwerksschächte | 16x 2,5/3,5 Zoll SATA |
| M.2-Slots | 2x M.2 NVMe für SSD-Cache |
| Prozessor | 8-Kern Arm Neoverse N2 mit 2,4 GHz |
| Arbeitsspeicher | 64 GB ECC-RAM |
| Netzwerk | 2x 25G SFP28, 1x 10GbE RJ45 |
| Erweiterung | 2x SFF-8644 |
| Netzteile | 2x hot-swap-fähige 550-Watt-Netzteile |
| Dateiprotokolle | SMB, NFS |
| Blockspeicher | iSCSI |
| RAID/ZFS | Mirror, RAID-Z1, RAID-Z2, RAID-Z3 |
| Preis EU | 3.599 Euro |
| Verfügbarkeit EU | Woche ab 22. Juni 2026 |
Mehr als nur Dateiablage: iSCSI für Virtualisierung
Das Enterprise NAS ist auch für Virtualisierung spannend. Ubiquiti nennt ausdrücklich iSCSI-Support und verweist auf typische Umgebungen wie Proxmox, VMware und Hyper-V. Damit kann das ENAS nicht nur als klassischer Netzwerkspeicher für Dateien, sondern auch als zentraler Blockspeicher für Virtualisierungs-Hosts dienen.
Das kann für kleinere Firmen oder größere UniFi-Installationen interessant sein. Wer bereits UniFi-Gateways, Switches, Kameras und Access Points nutzt, erhält mit dem ENAS eine Speicherlösung, die ebenfalls zentral über die UniFi-Welt verwaltet wird.
Backups, Cloud-Ziele und UniFi-Integration
Neben dem klassischen SMB- und NFS-Zugriff spielt Ubiquiti seine eigene Plattform als Vorteil aus. Das Enterprise NAS soll sich über UniFi Drive verwalten lassen und unterstützt persönliche Laufwerke, geteilte Laufwerke, Benutzergruppen, Freigabelinks, Time-Machine-Backups sowie Backups zu anderen NAS-Systemen.
Es werden auch Cloud-Ziele genannt. Unterstützt werden Google Drive, OneDrive, Dropbox, Amazon S3, Backblaze B2 und Wasabi. Damit rückt Ubiquiti das Gerät nicht nur als lokalen Speicher, sondern auch als zentrale Backup- und Replikationslösung in den Vordergrund.
Für die Verwaltung sollen keine zusätzlichen Lizenzkosten anfallen. Das dürfte für viele Unternehmen ein wichtiger Punkt sein, denn im Enterprise-Speicherbereich können wiederkehrende Software- und Feature-Lizenzen schnell teuer werden.
Nicht für den Schreibtisch gedacht
Trotz der für UniFi typischen Einfachheit sollte das Enterprise NAS nicht mit einem kompakten Heim-NAS verwechselt werden. Das Gerät ist ein 3U-Rackmount-System, wiegt ohne Laufwerke bereits über 16 Kilogramm und ist für den Einsatz im Rack, im Technik- oder Serverraum gedacht.
Mit 16 Laufwerken, redundanten Netzteilen und einer schnellen 25G-Anbindung richtet sich dieses NAS nicht an Nutzer, die nur ein paar Fotos und Dokumente sichern möchten. Dafür sind die kleineren UNAS-Modelle deutlich besser geeignet.
Es gibt auch Einschränkungen
Ganz ohne Einschränkungen kommt auch das neue Enterprise-NAS nicht aus. Die beiden M.2-NVMe-Slots sind aktuell primär für SSD-Cache vorgesehen und können nicht als frei nutzbare schnelle Speicherpools verwendet werden. Wer also ein separates NVMe-Volume für extrem schnelle Datenbereiche erwartet, sollte dies berücksichtigen.
Das Enterprise NAS ist mit 64 GB ECC-RAM solide ausgestattet. Wer jedoch später mehr Arbeitsspeicher nachrüsten möchte, könnte eingeschränkt sein, da ein klassisches RAM-Upgrade nicht vorgesehen zu sein scheint. Das dürfte sicherlich für viele Einsatzzwecke reichen, bei sehr großen ZFS-Setups oder speziellen Enterprise-Anforderungen könnten manche Käufer jedoch mehr Flexibilität erwarten.

