Künftig arbeiten OpenAI und Getty Images zusammen. Letzteres hat eine mehrjährige Display-Partnerschaft mit OpenAI angekündigt. Kern der Zusammenarbeit ist die Einbindung lizenzierter Inhalte aus den Getty-Bibliotheken in die Such- und Discovery-Funktionen von ChatGPT.
Damit erhält ChatGPT perspektivisch Zugriff auf professionelles Bildmaterial, das nicht aus beliebigen Webquellen übernommen, sondern über einen offiziellen Lizenzrahmen bereitgestellt wird. Dies könnte vor allem bei bildlastigen Suchanfragen zu aktuellen Ereignissen, Personen, Orten, Sport, Entertainment oder historischen Themen relevant werden.
Was wurde genau vereinbart?
Laut Getty Images handelt es sich bei der Vereinbarung um ein „Display Agreement”. Das bedeutet, dass die Inhalte von Getty Images innerhalb von ChatGPT angezeigt werden sollen, um visuelle Antworten anzureichern. Es geht also darum, die Such- und Entdeckungsfunktionen von ChatGPT mit lizenziertem Bildmaterial zu ergänzen.
Laut Getty-Chef Craig Peters könnten hochwertige und lizenzierte visuelle Inhalte KI-gestützte Suchen nützlicher und vertrauenswürdiger machen.
Warum ist der Deal für OpenAI wichtig?
Für OpenAI ist diese Partnerschaft strategisch naheliegend. ChatGPT entwickelt sich zunehmend in Richtung Suche, Recherche und persönlicher Assistent. Bei vielen Themen reicht Text allein jedoch nicht aus. Gerade bei Nachrichten, Sport, Prominenten, Produkten, Orten oder historischen Ereignissen sind professionelle Bilder ein Qualitätsfaktor.
Die Nutzung solcher Inhalte ist für KI-Anbieter jedoch bisher rechtlich und wirtschaftlich sensibel. Ein lizenzierter Partner wie Getty Images kann dabei helfen, Inhalte sauberer einzubinden und mögliche Konflikte mit Rechteinhabern zu reduzieren.
Wichtig ist jedoch: Nach aktuellem Stand können Nutzer nicht plötzlich beliebig Bilder von Getty Images herunterladen oder frei weiterverwenden. Wer Bilder von Getty außerhalb von ChatGPT nutzen möchte, muss die entsprechenden Lizenzbedingungen weiterhin beachten.
Warum ist der Deal für Getty Images wichtig?
Auch für Getty Images ist die Partnerschaft äußerst spannend. Das Unternehmen steht seit Jahren unter Druck, da generative KI den Markt für Stockfotos und visuelle Inhalte verändert hat. Wenn Nutzer Bilder direkt per KI generieren lassen können, erscheint das klassische Lizenzmodell auf den ersten Blick weniger attraktiv.
Gleichzeitig verfügt Getty über genau das, was KI-Systeme für hochwertige visuelle Antworten benötigen: große Mengen professionell kuratierter, redaktioneller und kommerzieller Bildinhalte. Der OpenAI-Deal zeigt daher eine mögliche neue Rolle für Bildagenturen. Diese liefern nicht nur Inhalte für Webseiten, Redaktionen und Werbekampagnen, sondern auch für KI-gestützte Such- und Antwortsysteme.
Dies könnte Getty eine zusätzliche Einnahmequelle eröffnen und zugleich den Wert professionell lizenzierter Inhalte neu definieren.
Die finanziellen Details der Vereinbarung wurden nicht offengelegt. Daher ist unklar, wie groß der wirtschaftliche Effekt für Getty tatsächlich ausfallen wird.
Kein gewöhnlicher KI-Deal
Lange gehörte Getty Images zu den Unternehmen, die generative KI besonders kritisch sahen. So ging das Unternehmen beispielsweise juristisch gegen Stability AI vor und argumentierte, dass geschützte Inhalte nicht ohne Erlaubnis für KI-Modelle genutzt werden sollten.
Nun arbeitet Getty mit einem der weltweit bekanntesten KI-Unternehmen zusammen. Die Botschaft lautet: KI ja, aber bitte mit Lizenz, Kontrolle und Vergütung.
Es scheint, als stelle sich Getty Images nicht grundsätzlich gegen KI, sondern gegen die aus Sicht vieler Rechteinhaber problematische Nutzung geschützter Inhalte ohne klare Lizenzbasis.

