Die ING stellt ihr Privatkundengeschäft schrittweise auf ein neues Abo-Modell um. Künftig sollen Kunden nicht mehr einzelne Bankprodukte nutzen, sondern zwischen verschiedenen Kontopaketen wählen können. Diese heißen ING Go, ING More, ING Extra und ING Max.
Was zunächst wie eine kleine Namensänderung klingt, ist strategisch deutlich mehr: Die ING möchte ihr klassisches Girokonto zu einem umfassenden Paket aus Banking, Kartenleistungen, Versicherungen, Vorteilen und digitalen Extras ausbauen. Damit folgt die Bank einem Trend, den man bereits von Neobanken wie Revolut kennt.
Vier Pakete statt einzelner Bankprodukte
Laut der ING sollen die neuen Pakete in allen neun Retail-Märkten der Bank eingeführt werden. Zu diesen zählen unter anderem die Niederlande, Belgien, Deutschland, Spanien, Italien, Polen, Rumänien, Australien und die Türkei.
Die vier Modelle sollen sich in ihrem Umfang unterscheiden:
- ING Go als Basisangebot für alltägliches Banking
- ING More mit zusätzlichen Leistungen rund um Karten und Sicherheit
- ING Extra mit weiteren Vorteilen wie besseren Konditionen oder Partnerleistungen
- ING Max als Premium-Paket mit dem größten Leistungsumfang
Was kostet das neue ING-Abo?
In den Niederlanden hat die ING ihre neuen Pakete bereits vorgestellt. ING Go kostet 4 Euro pro Monat, ING More 7 Euro pro Monat, ING Extra 15,99 Euro pro Monat und ING Max 44,99 Euro pro Monat.
Die höheren Pakete enthalten Zusatzleistungen wie Kreditkarten, höhere Sparzinsen, Schutzleistungen, Reisevorteile, Zugang zu Lounges oder Streaming-Angebote. Bei ING Extra ist in den Niederlanden beispielsweise Amazon Prime enthalten, bei ING Max Disney+ Standard.
Für Deutschland gibt es bislang keine bestätigte Preisstruktur. Es wäre daher falsch, die niederländischen Preise direkt als künftige deutsche Gebühren darzustellen. Die ING betont selbst, dass die Inhalte der Pakete an die jeweiligen Märkte angepasst werden.

Bleibt das kostenlose Girokonto in Deutschland bestehen?
Die ING bietet ihr Girokonto in Deutschland aktuell weiterhin kostenlos an, sofern entweder ein monatlicher Geldeingang von mindestens 1.000 Euro vorhanden ist oder der Kontoinhaber jünger als 28 Jahre ist. Andernfalls kostet das Konto 4,90 Euro pro Monat. Eine optionale girocard ist für 1,49 Euro pro Monat erhältlich.
Ob dieses Modell durch ING Go ersetzt wird, ob es eine kostenlose Variante geben wird und wie mit Bestandskunden verfahren wird, ist derzeit noch nicht abschließend bekannt.
Warum führt die ING solche Abo-Modelle ein?
Die ING begründet diesen Schritt mit veränderten Kundenerwartungen. Banking soll demnach einfacher, transparenter und besser an den Alltag angepasst werden. Anstatt viele einzelne Produkte separat zu buchen, sollen Kunden ein Paket wählen können, das zu ihrem Nutzungsverhalten passt.
Aus Sicht der Bank gibt es jedoch auch ein wirtschaftliches Interesse. Nach einer Phase hoher Zinsen verdienen Banken wieder stärker über Gebühren, Provisionen und Zusatzleistungen. Ein Abo-Modell ermöglicht eine bessere Planbarkeit der Einnahmen und eröffnet die Möglichkeit, Banking mit Versicherungen, Karten, Cashback, Reisen oder digitalen Diensten zu bündeln.
Genau hier wird es für Kunden spannend: Ein Paket kann praktisch sein, wenn die enthaltenen Leistungen tatsächlich genutzt werden. Es kann jedoch auch teurer werden, wenn Extras gebündelt werden, die im Alltag kaum relevant sind.
Was bedeutet das für ING-Kunden?
Für deutsche ING-Kunden ändert sich zunächst noch nichts Konkretes. Solange die ING Deutschland keine neuen Preise oder Pakete offiziell einführt, gelten die bisherigen Konditionen weiterhin.
Sollte es später zu Änderungen bei bestehenden Konten kommen, wird die Bank in Deutschland voraussichtlich aktiv die Zustimmung der Kunden einholen müssen. Banken können Preisänderungen nicht einfach dadurch wirksam machen, dass Kunden nicht widersprechen.
Kunden sollten deshalb aufmerksam bleiben, wenn die ING sie über neue Kontomodelle, neue AGB oder geänderte Preise informiert. Besonders wichtig ist dann der direkte Vergleich: Welche Leistungen sind wirklich enthalten? Welche davon werden tatsächlich genutzt? Und wäre ein günstigeres Paket oder eine andere Bank am Ende sinnvoller?

