OpenAI Codex: Neue Funktionen für Entwickler starten in Europa

OpenAI Codex: Neue Funktionen für Entwickler starten in Europa

OpenAI erweitert die Verfügbarkeit mehrerer Codex-Funktionen in Europa. Seit dem 16. Juni 2026 werden zusätzliche Funktionen der Codex-App im Europäischen Wirtschaftsraum, in Großbritannien und in der Schweiz ausgerollt. Dazu gehören „Computer Use” auf macOS und Windows, die Codex-Erweiterung für Chrome, „Memories” und „Chronicle”.

Dadurch wird Codex zunehmend zu einem lokalen Arbeitsassistenten für Entwickler. Der Fokus liegt nicht mehr nur auf Code-Vorschlägen oder Pull Requests, sondern zunehmend auf kompletten Arbeitsabläufen. Dazu gehören das Testen von Apps, das Erledigen von Browser-Aufgaben, das Merken wiederkehrender Projektkonventionen und das Nutzen von Kontext aus früheren Aufgaben.

Computer Use: Codex kann Desktop-Apps bedienen

Eine der wichtigsten Neuerungen ist Computer Use. Damit kann Codex grafische Benutzeroberflächen auf macOS und Windows sehen und bedienen. Codex kann also nicht nur Dateien ändern oder Befehle ausführen, sondern auch Apps öffnen, klicken, tippen und Abläufe in einer Oberfläche überprüfen.

Das ist vor allem für Aufgaben interessant, die sich nicht sauber über die Kommandozeile oder eine API testen lassen. Beispiele sind Desktop-Apps, Browser-Workflows, lokale Testumgebungen, Einstellungsdialoge oder Fehler, die nur in einer grafischen Oberfläche auftreten.

Auf macOS benötigt Codex dafür unter anderem Berechtigungen für Bildschirmaufnahme und Bedienungshilfen. Unter Windows läuft Computer Use auf dem aktiven Desktop. Das bedeutet: Während Codex dort arbeitet, kann es Maus und Tastatur im Vordergrund nutzen. Für produktive Systeme ist deshalb wichtig, die Funktion bewusst einzusetzen und Berechtigungen genau zu prüfen.

Codex-Erweiterung für Chrome

Ebenfalls neu verfügbar ist die Codex Chrome Extension. Sie soll Codex Zugriff auf Browser-Aufgaben geben, bei denen der eingeloggte Chrome-Kontext benötigt wird. Das kann beispielsweise bei internen Tools, Web-Apps, Dashboards, Gmail, Salesforce oder anderen angemeldeten Seiten relevant sein.

OpenAI empfiehlt allerdings, für lokale Vorschauen und öffentliche Seiten zunächst den integrierten Browser der Codex-App zu verwenden. Die Chrome-Erweiterung ist eher für Fälle gedacht, in denen Codex wirklich auf eine bestehende Chrome-Sitzung mit Login-Status angewiesen ist.

Memories: Codex merkt sich Arbeitsweisen und Projektkonventionen

Mit Memories erhält Codex eine Art Gedächtnis für wiederkehrende Arbeitskontexte. Die Funktion kann sich zum Beispiel merken, welche Frameworks ein Nutzer bevorzugt, welche Coding-Konventionen in einem Projekt gelten oder welche wiederkehrenden Workflows regelmäßig genutzt werden.

Das Ziel ist klar: Nutzer sollen nicht in jedem neuen Codex-Thread dieselben Informationen erneut erklären müssen. Gerade bei größeren Projekten kann das hilfreich sein, wenn Codex bestimmte Eigenheiten eines Repositories oder wiederkehrende Arbeitsmuster kennt.

In Europa, Großbritannien und der Schweiz sind Memories laut OpenAI standardmäßig deaktiviert. Codex nutzt oder erstellt Memories dort erst, wenn Nutzer die Funktion aktiv einschalten. Das ist aus Datenschutzsicht ein wichtiger Punkt, da gespeicherter Kontext langfristig Einfluss auf spätere Codex-Sitzungen haben kann.

Chronicle: Bildschirmkontext als zusätzliche Gedächtnisquelle

Chronicle geht noch einen Schritt weiter. Die Funktion nutzt aktuellen Bildschirmkontext, um Codex beim Aufbau von Memories zu helfen. Codex soll dadurch besser verstehen, woran Nutzer gerade arbeiten, welche Quellen sie geöffnet haben und welcher Kontext für die nächste Aufgabe relevant sein könnte.

OpenAI bietet Chronicle derzeit als Opt-in-Research-Preview für ChatGPT-Pro-Nutzer auf macOS an. Die Funktion benötigt ebenfalls weitreichende Systemberechtigungen, darunter Zugriff auf Bildschirmaufnahme und Bedienungshilfen.

Gleichzeitig weist OpenAI auf Risiken hin. Chronicle kann Rate Limits schneller verbrauchen, das Risiko durch Prompt Injection erhöhen und speichert Memories unverschlüsselt lokal auf dem Gerät. Deshalb eignet sich die Funktion vor allem für Nutzer, die den zusätzlichen Komfort bewusst gegen mögliche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken abwägen.

Letzte Aktualisierung: 17. Juni 2026
Felix Bauer
Felix Bauer
Felix Bauer ist IT-Security Consultant und IT Fachjournalist (Themen: Tech, IT-Sicherheit und Datenschutz). Felix Bauer ist seit 20 Jahren in der IT-Sicherheitsbranche tätig. Sein Hauptschwerpunkt liegt auf dem Thema „Virenschutz für Endanwender“. Felix Bauer ist OpenSource-Evangelist und besitzt den Master of Science in Security and Forensic Computing. Felix Bauer hat bereits an zahlreichen IT-Sicherheitskonferenzen und sonstigen IT-Sicherheitstagungen teilgenommen und diverse professionelle Qualifikationen im Bereich IT-Sicherheit erworben. Er ist Mitbegründer des Projekts bleib-Virenfrei.

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