Die EU-Kommission hat auf die Bürgerinitiative „Stop Destroying Videogames”, die vielen Spielern besser unter dem Namen „Stop Killing Games” bekannt ist, reagiert. Die Initiative fordert, dass Publisher bereits verkaufte oder lizenzierte Videospiele nicht dauerhaft unspielbar machen dürfen, nur weil sie Server abschalten oder Online-Dienste einstellen.
Für viele Spieler ist dieses Thema längst mehr als eine theoretische Debatte. Moderne Spiele setzen immer häufiger eine Serververbindung voraus, selbst wenn große Teile des Spiels auch lokal funktionieren könnten. Wenn der offizielle Support endet, kann ein gekauftes Spiel im schlimmsten Fall komplett verschwinden.
Fast 1,3 Millionen bestätigte Unterstützer
Anfang 2026 wurde die Bürgerinitiative offiziell bei der EU-Kommission eingereicht. Zuvor hatte sie fast 1,3 Millionen bestätigte Unterstützungsbekundungen gesammelt. Damit war die EU-Kommission verpflichtet, sich mit dem Anliegen zu beschäftigen.
Im Kern geht es um eine einfache Frage: Was bedeutet es heute, ein digitales Spiel zu kaufen? Viele Nutzer gehen davon aus, dass sie ein gekauftes Spiel grundsätzlich dauerhaft nutzen können. Publisher argumentieren dagegen häufig, dass Käufer lediglich eine Lizenz oder einen zeitlich oder technisch begrenzten Zugang erwerben.
EU-Kommission lehnt gesetzliche Pflicht ab
Die Antwort der EU-Kommission fällt für die Unterstützer der Initiative ernüchternd aus. Eine gesetzliche Pflicht, Spiele nach dem Ende der kommerziellen Verwertung dauerhaft spielbar zu halten, wird es vorerst nicht geben.
Die Kommission begründet dies unter anderem mit Urheberrechten, geistigem Eigentum, Geschäftsgeheimnissen sowie möglichen technischen und finanziellen Risiken. Eine solche Verpflichtung könnte tief in die Rechte und Geschäftsmodelle der Anbieter eingreifen. Laut Kommission spielen auch Sicherheitsfragen eine Rolle, etwa wenn Spiele ohne offiziellen Support weiterbetrieben oder über private Server verfügbar gemacht werden.
Kurz gesagt: Die EU-Kommission erkennt das Problem zwar an, will Publisher aber aktuell nicht per Gesetz dazu verpflichten, bereits abgeschaltete Spiele funktionsfähig zu halten.
Statt Gesetz: Verhaltenskodex mit der Games-Branche
Die Bürgerinitiative bleibt aber nicht ohne Folgen. So will die EU-Kommission bis Ende 2026 Gespräche mit der Videospielbranche, Verbraucherschützern und weiteren Beteiligten starten. Ziel ist ein freiwilliger Verhaltenskodex für den Umgang mit dem sogenannten „End of Life“ von Spielen.
Dabei könnte es beispielsweise um klarere Hinweise beim Kauf gehen. Spieler sollen besser erkennen können, ob ein Spiel dauerhaft nutzbar ist, ob zentrale Funktionen von Servern abhängen und ob ein Spiel nach einer möglichen Abschaltung nur noch eingeschränkt funktioniert.
Auch die Frage, wie digitale Spiele langfristig erhalten werden können, soll thematisiert werden. Denkbar wären beispielsweise bessere Transparenzstandards, klarere Informationen in Stores oder Kooperationen mit Einrichtungen, die sich um den Erhalt digitaler Kultur kümmern.
Warum das Thema so wichtig ist
Das Problem betrifft vor allem Always-Online-Spiele und Titel, die stark von zentralen Servern abhängig sind. Wenn der Betrieb dieser Server eingestellt wird, verlieren Käufer nicht nur die Multiplayer-Funktionen, sondern teilweise den kompletten Zugang zum Spiel.
Genau daran entzündete sich die Debatte um „Stop Killing Games”. Ein bekanntes Beispiel ist das Rennspiel The Crew von Ubisoft, dessen Server abgeschaltet wurden. Da das Spiel keine echte Offline-Alternative bot, war es für Käufer anschließend nicht mehr spielbar.
Für viele Spieler fühlt es sich wie ein digitaler Totalschaden an. Sie haben Geld bezahlt, besitzen am Ende aber kein dauerhaft nutzbares Produkt. Die Initiative argumentiert deshalb, dass Publisher Spiele nicht einfach „zerstören“ dürfen, sobald sich der weitere Betrieb nicht mehr lohnt.
Enttäuschung bei Unterstützern
Für die Unterstützer von „Stop Killing Games” ist die Reaktion der EU-Kommission wahrscheinlich keine echte Erfolgsmeldung. Die zentrale Forderung nach einer gesetzlichen Pflicht wird nämlich nicht erfüllt. Stattdessen setzt Brüssel auf Gespräche, freiwillige Standards und bessere Informationen.
Das kann man als ersten politischen Schritt betrachten. Man kann ihn aber auch als deutlich zu schwach bewerten. Denn freiwillige Verhaltenskodizes funktionieren nur, wenn die Branche tatsächlich gewillt ist, ihre Praxis zu ändern.
Kurzfristig wird sich wenig ändern. Langfristig könnte der Druck jedoch dazu führen, dass Publisher beim Abschalten von Spielen transparenter handeln müssen - und möglicherweise stärker darüber nachdenken, ob ein Spiel nach dem Support-Ende zumindest in einer Basisversion erhalten bleiben kann.

