Anthropic kann seine neuesten KI-Modelle „Claude Fable 5” und „Claude Mythos 5” wieder bereitstellen. Die US-Regierung hat die Mitte Juni für eine abrupte Sperre der beiden Modelle gesorgten Exportkontrollen aufgehoben. Allerdings sind nicht beide Modelle frei verfügbar: Fable 5 kehrt weltweit zurück, während Mythos 5 weiterhin nur für ausgewählte Organisationen und Partnerprogramme vorgesehen ist.
Was war passiert?
Am 12. Juni 2026 wies die US-Regierung Anthropic an, den Zugriff auf Fable 5 und Mythos 5 für ausländische Staatsangehörige zu sperren. Dadurch wären nicht nur Nutzer außerhalb der USA, sondern auch ausländische Mitarbeiter von Anthropic und internationale Unternehmenskunden betroffen gewesen. Da Anthropic eigenen Angaben zufolge nicht zuverlässig in Echtzeit prüfen konnte, welche Nutzer von der Regelung betroffen sind, wurden beide Modelle vorsorglich für alle Kunden deaktiviert.
Hintergrund waren Sicherheitsbedenken. Die US-Regierung soll Hinweise auf eine Methode erhalten haben, mit der sich die Schutzmechanismen von Fable 5 umgehen ließen. Laut Anthropic handelte es sich dabei um eine begrenzte Jailbreak-Technik, mit der das Modell bekannte Software-Schwachstellen identifizieren konnte. In einem Fall soll das Modell auch Code erzeugt haben, der demonstrierte, wie eine Schwachstelle ausgenutzt werden könnte.
Fable 5 kommt weltweit zurück
Wie Anthropic am 30. Juni mitteilte, wurden die Exportkontrollen für Fable 5 und Mythos 5 aufgehoben. Fable 5 soll ab dem 1. Juli 2026 wieder global über die Claude Platform, Claude.ai, Claude Code und Claude Cowork verfügbar sein. Für Pro-, Max-, Team- und ausgewählte Enterprise-Kunden gilt Fable 5 zunächst bis zum 7. Juli mit einem Rabatt von bis zu 50 Prozent auf die wöchentlichen Nutzungslimits. Danach soll das Modell über Usage Credits verfügbar sein.
Auch die Verfügbarkeit über Cloud-Partner soll wiederhergestellt werden. Anthropic nennt AWS, Google Cloud und Microsoft Foundry als Partner, will die Freischaltung dort aber so schnell wie möglich nachholen. Einen genauen Zeitplan dafür nennt das Unternehmen nicht.
Mythos 5 bleibt ein Sonderfall
Bei Mythos 5 ist die Lage anders. Zwar wurde das Modell ebenfalls wieder freigegeben, jedoch bleibt es für normale Nutzer nicht verfügbar. Anthropic hat den Zugriff zunächst für eine Gruppe von US-Organisationen wiederhergestellt, nachdem die US-Regierung dies am 26. Juni genehmigt hatte. Parallel dazu arbeitet das Unternehmen daran, den Zugriff auf weitere nationale und internationale Partner im Glasswing-Programm auszuweiten.
Der Grund ist, dass Mythos 5 nicht einfach nur eine weitere Claude-Version ist. Laut Anthropic basiert er auf demselben Grundmodell wie Fable 5, verfügt aber in bestimmten Bereichen über weniger Schutzmechanismen. Er ist vor allem für ausgewählte Cyberdefender und Infrastrukturpartner gedacht, die damit defensive Sicherheitsarbeit leisten sollen.
Neue Sicherheitsmaßnahmen nach der Sperre
Nach eigenen Angaben hat Anthropic einen verbesserten Sicherheitsklassifikator trainiert, der das in dem Bericht über den Fable-5-Jailbreak beschriebene Verhalten blockieren soll. Wird eine Anfrage blockiert, soll diese nicht von Fable 5, sondern von Claude Opus 4.8 beantwortet werden. Laut Anthropic soll die konkrete Jailbreak-Technik aus dem Bericht in mehr als 99 Prozent der Fälle blockiert werden.
Gleichzeitig räumt Anthropic ein, dass kein KI-Modell vollständig gegen Jailbreaks abgesichert werden kann. Das Unternehmen geht davon aus, dass kleinere oder eng begrenzte Umgehungsmethoden gefunden werden können. Entscheidend sei deshalb, wie schnell solche Methoden erkannt, bewertet und geschlossen werden.
Gemeinsame Standards gegen KI-Jailbreaks geplant
Anthropic arbeitet eigenen Angaben zufolge mit Amazon, Microsoft, Google und weiteren Glasswing-Partnern an einem gemeinsamen Rahmenwerk, um Jailbreaks besser bewerten zu können. Dabei soll unter anderem untersucht werden, wie groß der Fähigkeitsgewinn für Angreifer ist, wie leicht sich eine Methode wiederholen lässt und wie gefährlich eine Umgehung tatsächlich ist.
Anthropic möchte außerdem die Zusammenarbeit mit der US-Regierung ausbauen. Dazu gehören frühere Modelltests vor Veröffentlichungen, eine schnellere Weitergabe von Informationen bei Missbrauchsmustern und engere Forschungspartnerschaften im Bereich der KI-Sicherheit.

