Amazon rollt KI-gestützte visuelle Suche für erste Kunden aus

Amazon Ki Suche

Amazon baut seine Einkaufssuche deutlich visueller aus. Im Mittelpunkt steht eine neue KI-Funktion, die während der Eingabe automatisch Produktbilder erzeugt. Wer in der mobilen Amazon-App nach Begriffen mit Farben, Materialien, Mustern oder Stilrichtungen sucht, soll direkt unter der Suchleiste passende visuelle Vorschläge sehen. Die Bilder verändern sich in Echtzeit, wenn weitere Wörter ergänzt werden.

Das Ziel dahinter ist nachvollziehbar: Viele Nutzer wissen zwar ungefähr, was sie suchen, kennen aber nicht immer den richtigen Produktbegriff. Amazon nennt als Beispiel etwa ein Shirt mit drapiertem Kragen, bei dem einem der Begriff „Cowl Neck“ nicht einfällt, oder ein Sofa mit geflochtenen Seitenteilen, ohne dass man direkt an „Rattan“ denkt. Die KI soll solche vagen Vorstellungen schneller in konkrete Suchergebnisse übersetzen. Tippt der Nutzer auf ein generiertes Bild, werden anschließend optisch ähnliche Produkte angezeigt.

Die neue Suche startet vor allem in Kategorien, in denen visuelle Details besonders wichtig sind. Dazu zählen zunächst Mode und Wohnen. Amazon kündigt allerdings an, dass später weitere Produktbereiche folgen sollen. Ganz neu ist die visuelle Suche bei Amazon aber nicht. Der Konzern stellt die Funktion eher als Teil eines größeren Ausbaus vor, bei dem klassische Texteingaben, Bildersuche und KI-gestützte Produktempfehlungen stärker miteinander verbunden werden.

Dazu gehört auch „Shop by Style“. Wer etwa nach Kleidung oder Accessoires sucht, kann KI-generierte Collagen sehen, die verschiedene Stilrichtungen zeigen. Diese Collagen sind als shoppable Inhalte gedacht: Nutzer tippen auf einen Look und landen auf einer kuratierten Seite mit passenden Produkten, ähnlichen Artikeln und weiteren Stilvarianten. Damit geht Amazon über die reine Produktsuche hinaus und nähert sich stärker einem Inspirations-Feed an.

Ebenfalls ausgebaut wird Amazon Lens. Mit „Lens Live“ kann die Kamera Produkte in der Umgebung erfassen und passende Treffer direkt in einer scrollbaren Leiste anzeigen. Nutzer sollen Artikel vergleichen, speichern oder in den Warenkorb legen können, ohne die Kameraansicht zu verlassen. Zusätzlich wird Alexa for Shopping in diese Ansicht eingebunden. Dadurch können kurze Produktzusammenfassungen, vorgeschlagene Fragen oder konkrete Rückfragen zu einem erkannten Gegenstand angezeigt werden.

Interessant ist auch die Kombination aus Bild- und Texteingabe. Wer ein Bild über Amazon Lens hochlädt, kann zusätzliche Angaben ergänzen, zum Beispiel eine andere Farbe, ein bestimmtes Material, eine Marke oder Maße. Aus einer Bildsuche nach einem beigen Sofa kann so eine präzisere Suche nach einem ähnlichen Sofa in Weiß werden. Damit versucht Amazon, die typischen Schwächen reiner Bildersuchen zu reduzieren: Ein Bild liefert zwar Form und Stil, aber nicht immer alle gewünschten Details.

Weitere Funktionen zielen darauf ab, die Produktsuche schneller einzugrenzen. „Visual Suggestions“ zeigen während der Eingabe bildhafte Filter und Varianten, etwa bei sehr allgemeinen Suchbegriffen wie „Flanellhemd“. Mit „More Like This“ lassen sich optisch ähnliche Produkte direkt aus den Suchergebnissen heraus aufrufen. Außerdem gibt es eine Art „Circle to Search“ innerhalb von Amazon Lens: Nutzer können in einem Bild einen bestimmten Gegenstand markieren, um gezielt nach genau diesem Objekt zu suchen.

Für iPhone-Nutzer kommt zudem ein Amazon-Lens-Widget für den Sperrbildschirm hinzu. Damit lässt sich die Kamerasuche direkt vom Lockscreen starten. Das zeigt, wie stark Amazon visuelle Suche inzwischen als Einstiegspunkt in den Einkauf versteht - nicht mehr nur als Zusatzfunktion innerhalb der App.

Für Kunden kann das die Produktsuche einfacher und intuitiver machen. Besonders bei Mode, Möbeln, Deko oder Accessoires dürfte es hilfreich sein, wenn man nicht erst den perfekten Suchbegriff kennen muss. Gleichzeitig bleibt offen, wie gut die automatisch erzeugten Bilder am Ende zu tatsächlich verfügbaren Produkten passen. Gerade bei sehr spezifischen Vorstellungen kann eine solche Funktion entweder Orientierung schaffen oder zusätzliche Auswahl erzeugen, die erst wieder sortiert werden muss.

Fest steht: Amazon testet visuelle Produktsuche nicht mehr nur als kleine Zusatzfunktion, sondern baut sie systematisch zu einem zentralen Bestandteil der Shopping-App aus. Die klassische Suchleiste bleibt zwar bestehen, wird aber zunehmend durch KI-Bilder, Kamerasuche, Stilvorschläge und visuelle Filter ergänzt. Aus einer reinen Textsuche soll Schritt für Schritt ein stärker visuelles Einkaufserlebnis werden.

Letzte Aktualisierung: 4. Juni 2026
Felix Bauer
Felix Bauer
Felix Bauer ist IT-Security Consultant und IT Fachjournalist (Themen: Tech, IT-Sicherheit und Datenschutz). Felix Bauer ist seit 20 Jahren in der IT-Sicherheitsbranche tätig. Sein Hauptschwerpunkt liegt auf dem Thema „Virenschutz für Endanwender“. Felix Bauer ist OpenSource-Evangelist und besitzt den Master of Science in Security and Forensic Computing. Felix Bauer hat bereits an zahlreichen IT-Sicherheitskonferenzen und sonstigen IT-Sicherheitstagungen teilgenommen und diverse professionelle Qualifikationen im Bereich IT-Sicherheit erworben. Er ist Mitbegründer des Projekts bleib-Virenfrei.

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